Der Bunker Waisentunnel ist ein ehemaliger U-Bahnhofsrohbau, der zu einer geplanten U-Bahnstrecke von Gesundbrunnen nach Neukölln gehörte. Diese wurde 1912 von der AEG für die Stadt Berlin geplant und teilweise gebaut.

Durch den I. Weltkrieg wurden die Bauarbeiten unterbrochen und nach dem Krieg nicht mehr nach den alten Plänen weitergeführt.

Im II. Weltkrieg wurde in den U-Bahnhofsrohbau ein Luftschutzbunker eingebaut, der auch heute noch existiert.

Wir waren auf einer kleinen Zeitreise:

Die Bunkeranlage ist 260 m lang. Sie besteht aus einem langen Gang, von dem auf beiden Seiten Räume (Aufenthalts- und Sanitärräume) abgehen. Der Bunker hat 1200 qm Nutzfläche.

Der Eingang des Bunkers liegt im Boden. Er besteht aus einem Betonrahmen, in dem ein Gitter liegt, durch das man eine Treppe, die nach unten führt, sehen kann.

Mit den ersten Bombenangriffen auf Berlin beschloss die Stadt Sicherungsmaßnahmen für die Bevölkerung und für die Rüstungsindustrie. Dazu gehörte unter anderem auch die Maßnahme „Aktion Mutter und Kind“. Dafür sollten Mütter und Kinder in neugeschaffenen Bunkeranlagen schlafen gehen. Dazu gehörte auch der Bunker in der Waisenstraße.

Die Verwaltung schaffte in diesen unterirdischen Räumen Platz für zirka 1000 Personen, doch in den schlimmsten Zeiten des Krieges mussten viel mehr Menschen darin Schutz suchen. Gasschleusen sollten sie vor Vergiftung schützen, doch eigentlich waren die Menschen ungeschützt, denn die Anlage lag zu nah an der Oberfläche. Ein schlimmer Treffer hätte ausgereicht, viele Schutzsuchende zu töten.

Die Mütter wurden mit ihren Kindern in kleinen zellenartigen Räumen untergebracht. Die Räume waren jeweils ca. 3 x 2 Metern groß und wurden mit 7 Personen belegt, obwohl nur zwei 3 Stockbetten pro „Zelle“ zur Verfügung standen. Nur wer einen Berechtigungsschein hatte, durfte den Bunker betreten – streng geprüft in den Räumen der Bunkeraufsicht.

Zum weiteren Schutz wurde eine ausgeklügelten Belüftungsanlage mit Kohlefiltern und Gasschleusen installiert. Es gab ein Notstromaggregat und weitere Versorgungsräume.

Über drei Eingänge konnte die Schutzanlage betreten werden, am Nord- bzw. Südende befanden sich Notausgänge in den Waisentunnel. Heute sind nur noch der Mitteleingang in Höhe der Voltairestraße und die Notausgänge intakt.

In einzelnen Abschnitten des Bunkers herrscht unterschiedliches Klima. Das liegt an der Nähe zur Spree. So ist es am Südende, Richtung Spree, feuchter als am Nordende. Davon zeugen die unterschiedlichen Rostzustände der im Bunker verbauten Eisenteile.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde der Bunker nicht mehr als Schutzraum genutzt. Kurzzeitig nutzte der VEB Champignonzucht einige Räume in den 50ger Jahren. Die Ertragsquote war allerdings nicht sehr hoch, so dass die Zucht in den 60er Jahren wieder eingestellt wurde.


Heute wird der Bunker ab und zu für Filmarbeiten genutzt und ist zu Sonderveranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich. Er ist Eigentum der BVG und ist man im Bunker, hat man keinen Handyempfang.