Wir sind Deniz, Mohammed, Paula, Jasper und Richard haben im Rahmen des Spurensucheprojekts das Amtsgericht Berlin-Mitte in der Littenstraße genauer erforscht. Dabei haben wir auch zum Namensgeber der Straße - Hans Litten - Fakten recherchiert.

Für unsere Nachforschungen waren auch die Interviews mit dem Schriftsteller Ralph Hoppe und mit dem Pförtner des Amtsgerichts hilfreich. Diese kann sich jeder unter www.spurensucheprojekt.de anhören.

Hinter der Klosterruine erhebt sich das imposante Amtsgericht. Es ist im Stile des süddeutschen Barocks errichtet.

Noch 1693 stand hier ein barockes Amphitheater für Tierkämpfe und Wasserspiele. Für ein neues Kadettenhaus wurde aber zwischen 1776- 1779 alles abgerissen. Allerdings benötigte die Stadt auch bald die Kadettenanstalt nicht mehr und schon bald zog das Gericht in die Räumlichkeiten ein. Doch der Platz reichte nach kurzer Zeit nicht mehr aus: Es gab mehr Bedarf an Räumlichkeiten und so wurde das Gebäude ab 1900 erweitert. Innerhalb von nur 4 Jahren entstand ein neues Gebäude.

Wie zum Beispiel das Gericht in Berlin-Wedding wird auch das Gericht in der Littenstraße als “Justizpalast” bezeichnet. Ein Palast ist immer beeindruckend, oft auch bedrückend. Genau diesen Effekt wollten die Architekten erreichen. Angeklagte sollten sich in diesem Gebäude noch kleiner fühlen und die Übermacht der Justiz noch stärker spüren. Aber auch Nichtangeklagte sollten sich der Justizmacht immer bewusst sein.

Im Inneren des Gebäudes eröffnet sich eine große, fast kreis-runde Halle. Das Herzstück dieser Halle ist die wunderschöne Zwillingswendeltreppe. Der Grundriss der Treppe bildet eine 8. Jede einzelne Zwillings-wendeltreppe wird von jeweils 10 Pfeilern getragen. Bei näherer Betrachtung sehen die Treppen im Eingangsbereich wie ein Wasserfall aus. Der Wartebereich wirkt dabei wie ein Teich. In der Halle wird der Besucher von Ritterfiguren beobachtet. In der Halle wacht die unbestechliche, weil blinde, Justizia über Kläger und Angeklagte.

Der II. Weltkrieg verursachte starke Schäden am Haus. Viele schöne Details gingen dabei verloren. So wurde der Haupteingang bei der Reparatur nur vereinfacht wiederhergestellt. Noch heute finden sich Einschusslöcher in der Hausfassade.

Ende der 60er Jahre beschloss die DDR-Regierung eine umfassende Neugestaltung des Viertels. Die Grunerstraße wurde zu der Hauptverkehrsstraße wie wir sie heute kennen. Laut & vielbefahren! Dafür musste unter anderem der nördliche Flügel des Amtsgerichts abgerissen werden und auch andere Gebäudeteile wurden abgetragen. Die Symmetrie des Hauses wurde dabei zerstört. Eine Tafel am Fuß-gängerübergang zum Shopping Centre “Alexa” erinnert daran.

Nach der Wende wurde zuerst das undichte Dach des Gerichts renoviert und eine Alarmanlage eingebaut. Auch die Büros der Angestellten wurden modernisiert, ebenso die maroden Leitungen.